Belastende Geburtserfahrung – Wenn die Geburt nicht wie gewünscht verläuft

Eine Geburt verläuft nicht immer so, wie es sich die Eltern erhofft hatten. Wie die Mutter eine Geburt erlebt und sich daran erinnert ist immer subjektiv und einzigartig. Daher geht es bei diesem Thema nicht immer nur darum, was passiert ist, sondern wie es die Mutter oder die Eltern in dieser Situation empfunden haben.
Auch wenn es zum Schluss oft heißt: Hauptsache alle sind gesund! Doch diese Aussage bezieht sich nicht nur auf die körperliche, sondern auch auf die psychische Gesundheit.

Für Eltern kann nach einer belastenden Geburt ein hoher Leidensdruck entstehen. Manchmal bleiben Ereignisse in Erinnerung, die anderen Menschen in der Form nicht bewusst sind oder waren.

 

Belastende GeburtserfahrungSituationen, die die Geburt belasten können:
  • Plötzlicher und unerwartet anderer Verlauf der Geburt wie operative Eingriffe (z.B. Dammschnitt, Geburt mit Saugglocke oder Zange, Kristeller-Handgriffe, Kaiserschnitt). Diese Ereignisse gehen häufig mit einem Kontrollverlust, also dem Gefühl, dem Geschehen und/oder auch dem Personal (Hebammen, Ärzten) ausgeliefert zu sein und selbst keinen Einfluss zu haben, einher. Das geschieht vor allem, wenn Maßnahmen vorher nicht abgesprochen wurden. Diese Erfahrungen werden oftmals als entwürdigend empfunden
  • Grobe und unachtsame Behandlung durch Geburtshelfer oder Angehörige
  • Angst um das Leben des Kindes (z.B. dramatischer Herztonabfall)
  • Verhindertes erstes Kennenlernen von Mutter und Baby
  • Verletzung der körperlichen Unversehrtheit durch Narben
  • Sehr schnelle oder sehr lange Geburt
  • Stille Geburt oder lebenslange Beeinträchtigung des Kindes

 

Mögliche Folgen einer belastenden Geburtserfahrung

Bei der Mutter können sich vielerlei Symptome bzw. Beschwerdebilder zeigen. Bleiben diese unbemerkt, können unter Umständen schwerwiegendere Folgen und psychische Beschwerden auftreten. Konsultieren Sie daher bei Beschwerden nach der Geburt unbedingt Ihre Hebamme bzw. Ihren Facharzt. Viele junge Eltern haben Scheu und Scham sich jemandem anzuvertrauen. Bitte zögern Sie nicht, sich bei einer Person Ihres Vertrauens fachkundig beraten zu lassen.

 

Herangehensweise nach einer belastenden Geburt

Ihre erste Ansprechpartnerin nach einer belastenden Geburt ist Ihre Hebamme bzw. Ihr Frauenarzt/ Ihre Frauenärztin, denn die Begleitung im Wochenbett (ca. 6-8 Wochen nach der Geburt) obliegt diesen beiden Berufsgruppen. Wenn Ihr Arzt oder Ihre Hebamme in diesem Zeitraum den Bedarf einer psychologischen Beratung sieht, kann ein Therapeut im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit miteinbezogen werden. Nach Ihrem Wochenbett können Sie mich gerne jederzeit kontaktieren und wir besprechen Ihre Situation und Ihre Erlebnisse. Studien* zufolge zeigen Mütter signifikant niedrigere posttraumatische Stressreaktionen nach einer psychotherapeutischen/ psychologischen Beratung nach einer traumatischen Geburt bzw. einem Notkaiserschnitt. Wenn das erste Kennenlernen (Bonding) mit Ihrem Baby verhindert wurde bzw. nicht möglich war, kann dieses Erlebnis nach der Geburt häufig nachgeholt und wiederholt werden. Bestimmte Rituale können außerdem helfen, die Bindung zu stärken.

 

Väter bzw. Geburtsbegleiter nach belastenden Geburtserfahrungen

Auch Väter können unter der Geburt belastende Situationen erleben. Falls die Geburtsbegleitung ebenfalls betroffen ist, ist es daher sehr ratsam, eine gemeinsame Beratung in Erwägung zu ziehen.

Was ich für Sie tun kann
  • Psychologische Unterstützung nach einer belastenden Geburtserfahrung
  • Nachbesprechung der Geburt
  • Beratung zum Nachholen und Wiederholen des vermissten ersten Kennenlernens mit Ihrem Baby (Bonding)
  • Beratung zur Förderung der Mutter-Kind-Bindung/ Vater-Kind-Bindung
  • Beratung im Umgang mit den Veränderungen des Körpers
  • Auf Wunsch weitere (psychologische) Themen
  • Gerne kann die Mutter durch ihre Hebamme begleitet werden

 

Wann reicht eine Beratung nicht aus?

Falls sich während der gemeinsamen Gespräche herausstellt, dass ein bestimmtes Erkrankungsbild bzw. lang andauernde psychische Beschwerden vorliegen, kann eine Psychologische Beratung keine therapeutischen Schritte ersetzen. Bei körperlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte immer an Ihre Hebamme bzw. an Ihren Facharzt. Im Wochenbett sind ausschließlich diese beiden Berufsgruppen für Sie zuständig. Eine Beratung durch mich ist nicht-heilkundlich und umfasst keine medizinische Beratung, Diagnose und/oder Behandlung. Bei bestimmten Beschwerdebildern behalte ich mir das Recht vor, Sie im Rahmen einer optimalen Betreuung an entsprechende Therapeuten bzw. Fachärzte weiterzuleiten.

 

Passende Links zu diesem Thema

* Kurzbericht des Bundesministeriums für Gesundheit bzgl. psychotherapeutischer/psychologischer Beratung nach traumatischer Geburt/Notkaiserschnitt. 

Bundesministerium für Gesundheit über die Beratung von Schwangeren